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"Der Tagesspiegel" 07.06.2010 (Auszug):

Lange Nacht der Wissenschaften Intelligenztests, Wattestäbchen und schlaue Babys

AUFKLÄRUNG FÜR DEN AUFKLÄRER

Für kleine Kinder hatte Jean-Jacques Rousseau nicht viel übrig. Ein Baby sei der „perfekte Idiot“, urteilte der Denker 1762. Ein Besuch im Potsdam des Jahres 2010 würde Rousseau gründlich umstimmen. Im „Babylab“ der Potsdamer Uni demontieren Forscherinnen den Mythos vom konfusen Kleinkind. „Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts dachte man, dass Kinder in den ersten zwei Lebensjahren nicht denken können“, erläutert die Psychologin Birgit Elsner. „Denken wurde als innerer Monolog angesehen, der bei Babys nur schwer vorstellbar ist. Heute wissen wir, dass Babys denken und ihre Umwelt erforschen.“ Vor einem staunenden Publikum erklärt die Linguistin Barbara Höhle ihre Experimente mit wenige Monate alten Kindern. Bereits mit einem halben Jahr erkennen Babys den Rhythmus ihrer Muttersprache, mit neun Monaten identifizieren sie zuvor gehörte Vokabeln, aus dem vorbeiströmenden Fluss der Sprache treten die Konturen dieser Wörter nun hervor. „Vielleicht prägen sich Kinder bereits im letzten Drittel der Schwangerschaft den Rhythmus der Muttersprache ein“, sagt Höhle. Lernen schon im Mutterleib – was hätte wohl Rousseau dazu gesagt? wez

 

"Berliner Zeitung" 02.06.2010: